Von Schlössern und Schreinen

Heute wird’s kulturell.

Angesichts dessen, daß Nagoya eine der größten Städte Japans ist, kann man durchaus erwarten, daß hier so einiges an wichtigen und durchaus sehenswerten Kulturgütern zu finden ist.

So gibt es in Nagoya einen der wichtigsten und größten Shinto-Schreine des Landes, den Atsuta-Schrein. Der Schrein liegt in einem Park im Süden Nagoyas und ist seiner Bedeutung entsprechend ein beliebtes Ausflugsziel. Wie eigentlich alle größeren Schreine ist der Atsuta-Schrein von mehreren kleinen Schreinen umgeben, wie dem auf dem Bild unten, die in dem Park verteilt sind.

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Auf dem Bild sieht man die wichtigsten Merkmale eines Shinto-Schreins: das Holztor, das sogenannte Torii, und die zwei Steinlaternen links und rechts.

Ebenso typisch – zumindest für große Schreine – solche Stapel aus Krügen. Ich muß zugeben, daß ich keine Ahnung habe, wo die Bedeutung liegt...

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Der Shintoismus ist ein Naturreligion. Daher können beeindruckende Dinge aus der Natur, wie Berge, Wasserfälle, große Felsen oder einfach ein nettes Fleckchen im Wald heilig sein. Oder eben große, alte Bäume, wie der hier. Das Seil mit den Papiergirlanden markiert den Baum als heilig.

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Wie oben erwähnt, liegen vor dem Eingang eines Shinto-Schreins rituelle Holztore. Und vor großen Schreinen gibt’s eben große Tore.

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Und das hier ist der Atsuta-Schrein selber.

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Darin wird eines von drei Herrschaftssymbolen des Kaisers aufbewahrt, das Schwert Kusanagi no Tsurugi, das "Grasschneideschwert" – also der kaiserliche Rasenmäher.

Jaja, der war flach, aber bei der Steilvorlage...?

Zu sehen bekommt das Schwert übrigens nicht.

Direkt neben dem Schrein gibt es noch einen Saal für traditionelle japanische Hochzeiten.

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Ebenso typisch für japanische Schreine und Tempel: irgendetwas, an was man Zettelchen mit seinen Wünschen anbinden kann. Häufig sind das Bäume oder Sträucher, hier eben ein paar aufgespannte Leinen.

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In Japan gibt es aber nicht nur eine Religion, die verbreitet ist, sondern gleich zwei, nämlich neben dem Shintoismus auch noch den Buddhismus. Dabei ist es nicht so, daß die Leute entweder Shintoisten oder Buddhisten sind, sondern eben beides gleichzeitig.

Wo der Shintoismus seine Schreine hat, hat der Buddhismus seine Tempel (nun gut, nicht notwendigerweise am selben Ort).

Der größte und bekannteste Tempel in Nagoya ist der Osu Kannon-Tempel, nicht allzuweit von Sakae.

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In Deutschland würde hier jemand wegen Zeigens "verfassungsfeindlicher Symbole" verhaftet werden...

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Buddhistische Tempel haben übrigens bedeutend größere Lampions als Shinto-Schreine.

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Hier ein kleiner Blick in den Tempel (soweit möglich).

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Ja, das ist GOLD!

Direkt neben dem Tempel fängt übrigens eine größten Einkaufspassagen Nagoyas an, in der sich ein Modegeschäft an’s nächste Schuhgeschäft und das an’s nächste Restaurant reiht, das wiederum an nächste Modegeschäft grenzt, um dann irgendwann von einer ganzen Reihe Elektronikgeschäfte abgelöst zu werden.

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Tempel und Schreine sind überall verteilt. Es kann durchaus passieren, daß man in irgendeiner kleinen Nebenstraße plötzlich einen Schrein findet – oder mitten in der Osu Kannon-Passage einen weiteren buddhistischen Tempel (rechts im Bild, mit den ganzen Laternen).

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Oder man findet eben auf dem Weg zum Supermarkt diesen unauffälligen Kiesweg, etwa einen Kilometer von der Uni entfernt.

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Und am Ende dieses Kieswegs findet man dann einen großen, idyllisch im Grünen gelegenen Tempel…

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…mit einer riesigen, im Freien stehenden Buddhastatue.

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Und der Witz: das Ding ist in keinem Reiseführer zu finden und kaum jemand scheint es zu kennen.

Etwas bekannter ist dagegen die Burg von Nagoya.

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Ursprünglich Anfang des 17. Jahrhundert von Ieyasu Tokugawa gebaut, brannte die Burg im Zweiten Weltkrieg nieder und wurde dann 1953 wieder aufgebaut – zumindest der teilweise. Im Bild oben sieht man im Vordergrund zum Beispiel die Grundmauern eines Samurai-Palastes, der erst demnächst rekonstruiert werden soll. Von Außen sieht die Burg zwar recht originalgetreu aus, im Innern merkt man dann aber doch, daß beim Wiederaufbau ziemlich großzügig auf Beton gesetzt wurde.

Auf dem Dach der Burg sieht man das Wahrzeichen Nagoyas: zwei goldene Delphine.

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Das soll übrigens ein Delphinpärchen sein – ein Männlein, ein Weiblein – die wohl tatsächlich etwas unterschiedlich groß sind.

Im Innern der Burg ist einer der Delphine als Nachbildung aus der Nähe zu sehen.

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Ich glaube, aufgrund der Schuppen und der senkrechtstehenden Fluke können wir begründete Zweifel haben, daß die Japaner des 17. Jahrhunderts viel Ahnung von Meeresbiologie hatten…

In der Burg war das Photographieren überwiegend verboten, so daß ich nur ein paar Bilder habe. Zu sehen gab’s da aber unter anderem eine original Samurai-Rüstung…

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…noch eine Delphin-Nachbildung zum Posieren (fünf Monate hier und mir konnte immer noch niemand eine plausible Begründung geben, warum Japaner beim Geknipstwerden immer das "Victory"-Zeichen machen)…

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…halbnackte Schaufensterpuppen beim Steineziehen (der Lendenschurz ganz rechts erlaubt recht tiefe Einblicke – Bauarbeiter zu dieser Zeit müssen Kastraten gewesen sein)…

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…original Sänften (diese Dinger sind so klein, daß ich mir nicht vorstellen kann, daß es besonders bequem ist, in sowas herumgetragen zu werden)…

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…und einige (wenige) Schwerter, Malereien und Nachbildungen alt-japanischer Geschäftsviertel, die aber eben nicht photographiert werden durften.

Im Park um die Burg gibt es noch einige kleinere Gebäude, wie klassische Teehäuser, in denen man – für einen ordentlichen Obolus – auch eine Teezeremonie mitmachen kann.

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Darüberhinaus gibt es im Park so einige nette versteckte Ecken.

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Zum Schluß noch ein stylisches Bild von der Burg.

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Demnächst: Von Flüssen und Fällen

© 2006 Simon Janich