Von Konferenzen und Kaffeemaschinen

Vom 13. bis zum 17.11. waren wir (Prof. Yamaguchi, Eiko – der anderen Assistant Professorin neben Dr. Wakamiya –, zwei Graduate Studenten, der Herr Job und ich) in Kyoto zu einer Konferenz für Organische Chemie, genauer gesagt der…

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…oder – etwas kürzer – IKCOC-10, die von der Kinki Chemical Society gesponsert wurde.

Und die hat sich wirklich nicht lumpen lassen. Die Konferenz fand im "Rihga Royal Hotel" statt, daß in meinem Reiseführer als "Top End" eingestuft wird. Und das sieht man, z.B. an der Lobby…

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…(und das ist nur ein kleiner Teil der Lobby), den weiten, mit dicken Teppichen ausgelegten Fluren…

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…den zahlreichen (allerdings nicht gerade klassischen) Kronleuchtern im Konferenzsaal…

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…den Toiletten – einer Orgie in Marmor – und den Typen in Uniformen, die vor dem Eingang stehen und den Gästen die Taxitür aufhalten. Das ist der Klotz von außen:

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Wenn man sich an dieser Stelle um 180˚ dreht (und die Straße überquert), sieht man das:

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…was mein Hotel war. Nicht ganz so luxuriös, aber immer noch recht edel, wie man z.B. an der Lobby erkennt.

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Das Hotel ist mit so ziemlich allen Annehmlichkeiten ausgestattet: Video on Demand (leider 1000 ¥ pro Film), Internetanschluß im Zimmer, japanischer High Tech-Toilette und… Selbstmordtüten???

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Zwischen meinem Hotel und dem Bahnhof lag dieser "herzige" Konbini:

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Ich hab das "Herz" zwar nicht finden können, aber es gab da recht leckere Schokocroissants.

Redner auf der Konferenz waren unter anderem Avram Hershko (Nobelpreisträger aber fürchterlich einschläfernder Redner), Klaus Müllen (MPI), Dieter Enders (RWTH Aachen), James Leighton (Columbia University), Brian Stoltz (CalTech), Guillermo Bazan (University of California) und Peter Seeberger (ETH Zürich). Davon ab rannten da noch José Oliviera (wichtiger Typ von WCH Wiley), Vertreter von Bayer, BASF, Merck, Mark Strem von Strem Chemicals (was nicht nach einem Zufall klingt), Richard Göttlich und ein ganzer Haufen weiterer Deutscher herum. Gut besucht also.

Am ersten Tag gab es einen Empfang, bei dem ein (eigentlich zwei) riesiges Buffet mit Canapées, Krabbencocktails, Sushi, verschiedenen Salaten, Lachs in verschiedenen Formen (z.B. geräuchert oder als Pastete), frischem Fruchtsalat, Torten und irgendwelchen Bohnen mit Blattgoldschnipseln aufgefahren wurde. Ein ähnliches (nicht ganz so großes) Buffet gab’s auch noch bei einem "Mixer für jüngere Teilnehmer" (bei dem aber auch viele der nicht ganz so jungen Redner anwesend waren).

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Der grauhaarige Herr etwas rechts von der Mitte mit dem verdrießlichen Gesichtsausdruck ist Dieter Enders. Aus irgendwelchen Gründen sah er die meiste Zeit so aus, als hätte er nicht gerade viel Spaß.

Am letzten Tag hat es auch noch ein Bankett gegeben, was für den durchschnittlichen Studenten allerdings etwas zu teuer war. Man darf annehmen, daß da auch nicht gegeizt wurde.

Aber außer dem Inneren des Hotels hatte man zum Glück auch Gelegenheit, etwas von Kyoto zu sehen – und das lohnt sich durchaus, zumal man da keinen Backstein werfen kann, ohne ein Dutzend größerer Tempelanlagen zu treffen. So ziemlich das erste, was wir in Kyoto gesehen haben, war der Bahnhof. Und man kann durchaus behaupten, daß sich die Kyotoer da ein absolutes Monster von einem Bahnhof hingestellt haben.

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Ihr könnt mir glauben, daß diese Bilder nur einen äußert schwachen Eindruck von der Größe dieses Dings vermitteln – zumal da vielleicht gerade mal ein Drittel des Gebäudes zu sehen ist…

Am Bahnhofsvorplatz gibt’s (außer einem Pommesautomaten) diese neckische Astroboy-Statue, die (allem Anschein nach) auf sowas wie ein Manga/Anime-Museum hinweist, was da in der Nähe sein muß.

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Direkt gegenüber des Bahnhofs: der Kyoto Tower.

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Etwas weniger moderne und monumentale Sehenswürdigkeiten gab es am Mittwoch in einem organisierten Ausflug zu sehen. Erstes Ziel war Nijo-jo, der Palast des Shoguns in Kyoto, erbaut Anfang des 17. Jahrhunderts von Ieyasu Tokugawa – den hatten wir schon zweimal

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(Links vorne: der Herr Job.)

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Ungewöhnlicherweise ist das Gebäude zum größten Teil noch im Original erhalten. Besonderes Merkmal ist der sogenannte "Nachtigallen-Boden", der zwischen den Außenwänden und den weiter innen gelegenen eigentlichen Räumen des Palasts installiert ist, und dadurch, daß er wie eine Horde Mäuse (oder eine verstimmte Nachtigall) quietscht, wenn man darauf tritt, es potentiellen Meuchelmördern schwer machen sollte, an den Shogun heranzukommen. Hier sieht man einige der Ausflugsteilnehmer dabei, wie sie den Mechanismus begutachten.

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Ich schätze, man hat selten zuvor so viele Professoren von Rang und Namen sich zu Boden werfen sehen.

Zu dem Palast gehört auch ein durchaus ansehnlicher Park…

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…mit zunehmend herbstlichen Bäumen…

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…und anderen sehenswerten Anblicken.

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Nächste Station war Kinkaku-ji – der Goldene Pavillon.

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Ja, das ist GOLD!

Ursprünglich das Landhaus eines Shoguns aus dem 14. Jahrhundert, widmete dieser das Gebäude zu einem Tempel um, kurz bevor er starb. Ich denke, mit Fug und Recht behaupten zu können, daß das die wahrscheinlich am häufigsten fotographierte Sehenswürdigkeit in Japan ist.

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Übrigens ist dieser Tempel nicht mehr das Original. Das brannte in den 1950ern ab, nachdem ein Mönch Feuer gelegt hatte. Das Motiv ist bis heute ein Rätsel, was auf der anderen Seite aber wohl einige bedeutende japanische Romane zur Folge hatte.

Aber es gab noch ein paar andere Dinge außer dem Goldenen Pavillon zu sehen, zum Beispiel das, was passiert, wenn ein Bonsai außer Kontrolle gerät…

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…sowas wie Wunschaltäre…

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…Teehäuser…

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…und weitere Tempel, die in diesem Fall von Souvenirläden umlagert sind.

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Seitlich dieses Tempels gibt es einen Orakelautomaten, mit der freundlichen Aufforderung "Hard Money – Pay down".

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Das hab’ dann spaßeshalber auch mal gemacht und den guten Rat bekommen, keine weite Reise zu unternehmen.

Zu spät.

Neben diesem organisierten Ausflug habe ich dann die Gelegenheit ergriffen, mir auch noch mal ein paar andere Sehenswürdigkeiten in Kyoto anzusehen, darunter den Kaiserpalast (der Hauptpalast ist zwar in Tokyo, in Kyoto finden aber zum Beispiel die Krönungszeremonien statt).

Das hier ist der Eingang zum eigentlichen Kaiserpalast:

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Und das hier der Eingang zum Sento Palast, der im gleichen Park liegt:

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Und das ist so ziemlich das einzige, was man da zu sehen bekommt. Man kommt nämlich praktisch nirgendwo ran. Immerhin ist der Park nett.

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Etwas mehr zu sehen gibt’s dann aber in Gion, dem alten Geisha- und Amüsierviertel von Kyoto. Überwiegend zwar inzwischen eine Anhäufung von Neubauten und modernen – ähm – "Amüsier"betrieben, gibt es aber doch einige Straßen, die noch fast so aussehen, wie vor 200 Jahren.

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(Ja, das vierstöckige Gebäude ist tatsächlich originalgetreu.)

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Der weit überwiegende Teil dieser Gebäude scheint heutzutage Restaurants zu beherbergen.

Das Fernsehen war übrigens auch da.

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Das scheint irgend so eine – im japanischen Fernsehen recht beliebte – "Pseudoprominenter zeigt anderem Pseudoprominenten seine Lieblingslokalitäten (in denen er wahrscheinlich vorher noch nie im Leben gewesen ist)"-Show gewesen zu sein. Der Typ rechts trägt eine rosa Jacke mit einem Totenkopf (…). In der Szene, die gedreht wurde, zeigte die weibliche Pseudoprominente dem männlichen Pseudoprominenten mit der geschmackvollen Jacke irgendwas an diesem Flüßchen worauf dieser mit einem Mindestmaß an völligen Overacting mit "TOLL!" (auf Japanisch natürlich) reagierte. Die Einstellung war nach einem Versuch im Kasten. Professionell.

Unbeachtet vom Fernsehen – weil auf der falschen Seite der Brücke – stand in dem Fluß mit erstaunlicher Gelassenheit ein Reiher.

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Man bekommt in Gion tatsächlich auch heutzutage noch echte Geishas zu sehen.

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Man darf wohl annehmen, daß es ziemliche Schwierigkeiten bereitet, mit vollem Geisha-Outfit in ein Taxi einzusteigen. Das ging nur mit Hilfe, sehr langsam und rückwärts…

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In Gion gibt es auch einen – scheinbar recht bekannten – japanischen Imbiß, mit dieser neckischen Werbefigur.

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Und in einer Einkaufspassage in der Nähe kann man Kaffeekochen für Fortgeschrittene sehen:

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Jetzt wißt ihr endlich, wofür die dicken Säulen gut sind.

Das war’s dann auch schon für Kyoto, wo man auch schon mal malerische Abenddämmerungen über Baustellen sehen kann.

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Nach fünf Tagen ging’s dann zurück Nagoya, wo ich jetzt noch ziemlich genau zwei Wochen haben.

Demnächst: Was mir sonst grad noch so einfällt…

© 2006 Simon Janich