Von Fischen und Flüssen

Es gibt hier auf dem Campus einen (eigentlich zwei) Läden, in denen sich die Studenten mit Artikeln des täglichen Bedarfs eindecken können. Angefangen bei Nahrungsmitteln (meist Snacks), über Körperpflegeartikel, Zeitschriften, Schreibzeug, bis hin zu Computern und Zubehör.

In diesen Läden (naja, zumindest in einem kann ich es bezeugen) gibt auch eine Ecke mit Devotionalien der Universität Nagoya: T-Shirts mit der Aufschrift "Nagoya University" (wahlweise englisch oder japanisch), Tassen, Mouse Pads, original "Nagoya University"-Kekse und so weiter.

Und es gibt den Original "Nagoya University Noyori™ Materials Science Laboratory® BINAP™ Chemistry"-Druckbleistift von Mitsubishi™.

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Kommen wir zu etwas völlig anderem.

Am 6. August (der Abstand schrumpft etwas) hatte ich mal Gelegenheit, aus Nagoya rauszukommen. Dr. Wakamiya hatte einige Bekannte aus seiner Zeit an der Kyotoer Universität, unseren taiwanesischen Gaststudenten und mich zum Schwimmen und Grillen an einem Fluß in der Nähe des Hauses seiner Eltern eingeladen. Chen (der Taiwanese) und ich durften auch noch andere Studenten unserer Nationalitäten einladen, also waren Lin™ – eine taiwanesische Pharmaziestudentin – und Samuel – so’n Typ, der in der International Residence neben mir wohnt, auch dabei.

Also sind wir Sonntag Morgen zur unchristlichen Uhrzeit von 7.30 Uhr an der Uni in die U-Bahn gestiegen und mit dem Zug nach Ise gezuckelt.

So sieht Japan außerhalb Nagoyas aus:

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So sehen übrigens alle Häuser in der Umgebung des Wakamiya-Hauses aus:

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Das ist der (Vor-)Garten des Hauses mit typisch japanischen Zierbäumchen und einem etwas seltsamen Gartenzwerg.

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Nachdem wir im Haus der Wakamiyas die Fressalien eingepackt hatten, ging’s mit dem Auto zum Fluß – einem Nebenarm des Miya-Flusses. Das Besondere an diesem Fluß ist, daß er nicht nur sehr sauber ist, sondern auch 2005 zum "Schönsten Fluß Japans" gewählt wurde. 

Ich weiß zwar nicht, ob die Uferbefestigungen aus Beton in die Bewertung mit eingeflossen sind, aber ansonsten möchte ich dem mal Glauben schenken.

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Entgegen den ersten Ankündigungen war es da aber nicht ganz so abgeschieden:

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Dort wurde dann gegrillt. Es gab Fisch, Huhn, Rind, Gemüse und Tintenfisch in Scheiben. Keine Würstchen.

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Eine der Besonderheiten des Flusses ist es, daß es in ihm Unmengen an Fisch gibt. Offensichtlich ist eine Art Volkssport in Japan, bei Ausflügen an Flüssen die Fische zu fangen. Dabei werden allerdings nicht die bei uns bekannten Angelruten benutzt, sondern Netze, Käscher und entfernt an Harpunen erinnernde Ruten mit Haken an den Spitzen. Dr. Wakamiya fischt dort scheinbar regelmäßig,  und seine Eltern haben Lizenzen, um die Fische im recht großen Maßstab aus dem Fluß zu ziehen.

Im Laufe des Tages hatten dann Chen, Samuel und ein japanischer Student ihr Glück versucht.

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Hier sieht man Samuel (rote Hose) und Chen, wie sie versuchen, dem Meister seine Geheimnisse zu entlocken. 

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Sagen wir’s mal so: hätte unser Leben von den beiden abgehangen, wir wären verhungert.

Deutlich erfolgreicher war der japanische Student mit einem gefangen Fisch.

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Das ist das Objekt der Begierde: der Ayu-Fisch (eine Art Süßwasserforelle) – hier allerdings eine etwas kleinere Ausgabe.

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Dr. Wakamiya hat dann aber doch wieder seine Meisterschaft unter Beweis gestellt. Hier die Ausbeute von vielleicht einer dreiviertel Stunde.

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An dem Fluß wuselte auch ein Golden Retriever herum, der es sich scheinbar zur Aufgabe gemacht hatte, den herumliegenden Müll einzusammeln und zu seinem Herrchen zu bringen. Ein Retriever eben...

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Irgendwann wurde es dann aber Zeit für den Aufbruch – zumal die Geier über uns zu Kreisen begannen...

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...allerdings nicht, ohne noch ein Gruppenfoto zu machen. Hintere Reihe: der japanische Student, Lin, Chen, meine Wenigkeit, Samuel, Dr. Wakamiyas Studienfreund mit Frau. Vorne: Dr. Wakamiyas Mutter, er höchstselbst, eine weitere Bekannte aus Kyoto.

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Danach ging’s dann erstmal wieder zurück zum Haus der Wakamiyas, um ein wenig zu ruhen...

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Später haben wir dann auch noch den Hund der Wakamiyas kennengelernt.

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Sie ist zehn Monate alt und hört (mehr oder weniger) auf den Namen "Milk" (okay, streng genommen "Miruku", aber das ist halt japenglisch für "Milk").

Das Tier wollte aus irgendwelchen Gründen ständig Samuels Hand fressen.

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Später zeigte sich dann, daß Milk auch ziemlich auf kleine, getrocknete Fische als Snack abfährt. Im Bild sieht man, wie der Hund vor so einem Fisch sitzt (ihr wurde gesagt, sie soll ihn nicht fressen). Die dunklen Flecken auf dem Boden direkt vor ihr sind Sabberflecken...

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Ob das Rückschlüsse auf den Geschmack von Samuels Hand zuläßt?

Irgendwann war dann aber endgültig Zeit für den Rückweg – aber nicht ohne weiteres Gruppenfoto...

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Ganz links ist Dr. Wakamiyas Vater. Den Rest solltet ihr schon kennen.

Das nächste Mal: Learning Engrish

© 2006 Simon Janich