Von Delphinen und Diäten

Letzten Montag ist mir doch glatt noch ein wunderbares Beispiel für Engrish in den Postkasten gelegt worden. Das will ich euch natürlich nicht vorenthalten:

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Bekanntlich liegt Nagoya ja am Meer. Und was wäre eine Stadt am Meer ohne einen anständigen Hafen?

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Ähm, tja… wie man vielleicht am eklatanten Mangel an Schiffen erkennen kann, habe ich keine Ahnung, wo sich der anständige Hafen versteckt. Ich war eigentlich nur beim am Meer gelegenen Amüsierviertel, das sich halt Nagoyakou ("Nagoya Hafen") nennt.

Auf jeden Fall gibt's da die "Nagoya Port Authority", die in diesem Gebäude sitzt:

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Und auch ein größeres, echtes – wenn auch nicht mehr fahrtüchtiges – Schiff ist zu bewundern: das Forschungsschiff  Fuji, das in der Antarktis herumgeschippert ist.

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Hauptattraktionen sind aber die "Jetty"-Mall (im Jetty West gibt's tatsächlich ziemlich guten Döner – den einzigen, der mir bisher in Japan untergekommen ist)…

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…und das "Port of Nagoya Public Aquarium", das – wie man unschwer erkennen kann – einen Schwertwal…

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…und einige Delphine im Programm hat.

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Nein, dieses Bild steht nicht auf dem Kopf. Die Delphine sind tatsächlich die ganze Zeit in dem (pieseligen) Becken so herumgeschwommen. Bestimmt ganz natürliches, in keinster Weise gestörtes Verhalten…

Zum Glück gibt's da aber nicht nur hospitalisierte Meeressäuger, sondern auch anderes Getier, wie Thunfische (die großen verschwommenen Flecken) und beeindruckende Sardinenschwärme (die kleineren verschwommenen Flecken). Die Biester waren einfach zu schnell für meine Kamera.

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Was man dem Bild nicht entnehmen kann: man steht bei diesem Becken vor einer etwa fünf Meter hohen und fast zehn Meter breiten Glaswand. Die Sauerei, die entsteht, wenn das Ding mal platzen würde, möchte ich nicht wegmachen.

Es gab aber noch einige andere gigantomanische Aquarien, z.B. dieses Korallenriff hier:

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Und wenn wir schon bei Superlativen sind: das ist die verflucht größte Krabbe, die ich jemals sehen habe…

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…mit konservativ geschätzten zwei Metern Beinspannweite. Und das Vieh war nicht alleine, sondern teilte sich das Becken mit noch drei Krebsen dieser Größe.

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Und wißt ihr was? Japaner essen diese Viecher.

Ich denke, wir sind uns alle einige, daß diese Biester (nebenbei bemerkt "Meeresspinnen" genannt) definitiv nicht niedlich sind. Im Gegensatz zu dem, was jetzt kommt.

Daher möchte ich die Gelegenheit nutzen und die japanische Einheit für Niedlichkeit einführen: ein "I".

Das japanische Wort für "niedlich" ist kawaii – in der Grundform mit zwei "I". Die Zahl der "I" ist aber variabel, je nach Grad der Niedlichkeit. Das heißt, eine ausgewachsene Katze wäre "kawaiiii" – hätte also vier "I" –, der Typ im Hasenkostüm hier hat sieben "I" ("kawaiiiiiii" – fragt besser nicht, woher ich das weiß…), ein knuddeliges Hundebaby hat im Durchschnitt zwölf "I" ("kawaiiiiiiiiiiii"). Das japanische "I" entspricht damit etwa dem deutschen "Ü" ("süüüüüüüüüüüß") und 0,37 englischen "U" ("cuuuuute" – man kann das einfach nicht so weit in die Länge ziehen).

Die Babyschildkröten hier hatten elf "I".

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Tja, soviel zum Hafen von Nagoya, wo es übrigens auch noch dieses Restaurant gibt, von dem man mit ziemlicher Sicherheit annehmen kann, daß es kein Diät-Restaurant ist…

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Demnächst: Von Geschäften und Guitarren

© 2006 Simon Janich