Learning Engrish

Uerukamu to "Reaaningu Ingurishi" resson uan!

Kein Wort verstanden? Kommt noch.

Wer irgendwann mal Japanern begegnet ist (oder hier aufmerksam gelesen hat), wird ziemlich schnell festgestellt haben, daß der durchschnittliche Japaner ein grauenhaftes Englisch spricht – selbst wenn er es in der Schule gelernt hat.

Woran liegt das?

Einer der wichtigsten Gründe ist natürlich das Schulsystem. Der Unterricht sieht vor allem so aus, daß das Leseverständnis oder das Schriftliche betont wird. Freies Sprechen – Sprechen überhaupt – spielt kaum eine Rolle.

Darüberhinaus ist aber auch von Bedeutung, wie japanischen Schülern Englisch beigebracht wird. Vor allem am Anfang wird die Sprache nämlich nicht in lateinischen – also unseren – Buchstaben  vermittelt, sondern in Katakana, einer der beiden japanischen Silbenschriften.

Wie sieht das aus?

Man nehme einen beliebigen englischen Satz und schreibe ihn – entsprechend der Aussprache – so um, daß nur folgende Silben verwendet werden: A, I, U, E, O, Ka, Ki, Ku, Ke, Ko, Ga, Gi, Gu, Ge, Go, Sa, Su, Se, So (alle mit scharfen "S"), Shi, Sha, Sho, Shu, Za, Zu, Ze, Zo (mit weichem "S"), Ji, Ja, Jo, Ju (wie in "Jim"), Ta, Chi (wie in Tchibo), Tsu, Ti, Te, To, Da, Di, De, Do, Na, Ni, Nu, Ne, No, Ha, Hi, Fu/Hu, He, Ho, Ba, Bi, Bu, Be, Bo, Pa, Pi, Pu, Pe, Po, Ma, Mi, Mu, Me, Mo, Ya, Yu, Yo, Ra/La, Ri/Li, Ru/Lu, Re/Le, Ro/Lo, Wa, Kya, Kyu, Kyo, Nya, Nyu, Nyo, Mya, Myu und Myo, Shyu, Shyo. (Man beachte die fehlende Unterscheidung zwischen "R" und "L".)

Gibt es keine passende Silbe, muß man eben die nehmen, die am ähnlichsten klingt.

Diese Art der Übertragung von unserem Alphabet in eine japanische Silbenschrift gräbt sich ein. Und als Ergebnis bekommt man eben Sätze zu hören wie: "A-i (wichtig: zwei Silben) donto supiku ingurishi."

Und genau in der gleichen Form kommen englische Begriffe im Japanischen vor. Und davon gibt es eine ganze Menge. Germanisten beschweren sich über die vielen Anglizismen im Deutschen? Ha!

Der "Geschäftsmann" im Japanischen? Bishinesuman. Die Krawatte? Nekkutai. Der Computer? Konpyutaa. Die Orange? Orenji. Und so weiter, und so weiter...

Englische Werbeslogans werden ebenso japanisiert. Links auf diesem Banner steht: Puraimu serekushyon (Prime selection).

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Untere Zeile (mit wegrationalisierten Lücken zwischen den Wörtern): Bodi garasu kootingu. (Das englische "Original" steht unten rechts über dem "Diamond".)

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Und wer sich schon immer gefragt hat, wie die "International Residence" wohl auf Japanisch heißt: Intaanashyonaru reshidensu.

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Übrigens klappt diese Japanisierung auch wunderbar mit Französisch und Deutsch, wie das kurowassan, das man beim Bäcker bekommt, und das schöne Wort arubatio (genau das, wonach es sich anhört) beweisen.

Aber es gibt noch eine andere Art und Weise, wie die Japaner Fremdsprachen in ihre Kultur integriert haben: in der Form von Hinweisschildern, Slogans (z.B. auf T-Shirts) und Markennamen. Und zwar ohne es in Silbenschrift zu übertragen. Allerdings auch ohne Sinn.

Ihr erinnert euch an "The Darkside of Electro Ritual"?

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Willkommen in der Wunderbaren Welt des Engrish!

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(Ich vermute, die angesprochene "Bending Machine" ist ein entfernter Verwandter von Bender.)

Wenn ihr gerade in Münster im Schreibraum sitzt, während ihr das lest, dann befindet sich der folgende Warnhinweis knapp fünf Meter von euch entfernt:

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Wer möchte es sich nicht in einem Café gemütlich machen, daß eine so freundliche Aufforderung zur Schau stellt: "What do you think now? I want to know. Will you chat slowly about tea while doing?"

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Okay, "All must become happy" klingt dann doch vielleicht etwas zu sehr nach einer Drohung...

Auch die sinnlose Anwendung von anderen Sprachen als Englisch ist möglich.

So gibt es ein T-Shirt mit der folgenden Aufschrift: 

"Das Schöne ist Resultat Geheimer Naturgesetze: Der Goldene Schnitt und Ludolfyahl."

Denkt mal drüber nach...

Das nächste Mal: Von Delphinen und Diäten

© 2006 Simon Janich